Ostdeutsche Debattiermeisterschaft

11. & 12. April 2026 in Jena

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Am 11./12. April richtete die Debattiergesellschaft Jena die Ostdeutsche Debattiermeisterschaft aus. 76 Teilnehmende aus 11 Debattierclubs debattierten über zwei Tage sechs verschiedene Themen. Organisiert wurde das Turnier von unseren Vorstandsmitgliedern Luis Ballandt, Emma Mitulla, Jessica Detta und Frederic Saß, unterstützt von vielen freiwilligen Helfenden. Die sportliche Leitung übernahmen Jonas Reichert, Felix Baldauf, Joshua Lacy und Liam Urban. Die Turniertabelle führte Marcell Resch. Bei allen Beteiligten möchten wir uns herzlich bedanken.


Schirmherr

Die Schirmherrschaft über das Turnier übernahm der Thüringer Ministerpräsident Mario Voigt. Hier können Sie sein Grußwort lesen.

Grußwort des Ministerpräsidenten anzeigen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Demokratie ist ein fairer Wettstreit um die besseren Argumente. Zu einer demokratischen Debatte gehört, sich zu informieren, den eigenen Standpunkt zu hinterfragen und dem anderen zuzuhören – um dann pointiert, aber sachlich für die eigene Position einzutreten.

Das sind Kompetenzen, die nicht selbstverständlich sind. Sie erfordern eine lebenslange Bereitschaft zur Selbstreflexion – und zwar von uns allen.

Bei der Ostdeutschen Regionalmeisterschaft im Hochschuldebattieren werden genau diese Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Dafür steht auch das Format des British Parliamentary Style: Es geht darum, auch einmal eine Position zu vertreten, die nicht die eigene ist. So erfahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, was echte demokratische Debattenkultur ausmacht – nämlich offen zu bleiben für die Möglichkeit, dass andere Sichtweisen als die eigene ihre Berechtigung haben.

In dieser Haltung liegt eine große Stärke unserer Demokratie. In einer Zeit, in der politische Fronten zunehmend verhärten, sind solche Formate von unschätzbarem Wert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigen: Wir argumentieren faktenbasiert und ziehen uns nicht in unsere Bubble zurück. Und sie machen deutlich: So hart man auch um Positionen streitet – Fairness und Ausgleich gehören immer dazu.

Mit Freude habe ich die Schirmherrschaft über die Ostdeutsche Regionalmeisterschaft im Debattieren übernommen – auch, weil sie den Höhepunkt des Jubiläumsjahres der Debattiergesellschaft Jena e. V. bildet. Im Namen der Thüringer Staatskanzlei gratuliere ich herzlich zum 25-jährigen Bestehen. 25 Jahre Debattiergesellschaft bedeuten zahlreiche Höhepunkte universitärer Debattenkultur, Projekte mit Verantwortung und aktive Netzwerkarbeit – weit über die Grenzen Jenas und unseres Freistaats hinaus.

Ich danke allen, die durch ihren Einsatz dieses Highlight hier in unserem Grünen Herzen Deutschlands möglich machen. Ich wünsche begeisternde Reden und prägnante Argumente.

Ihr,
Mario Voigt
Thüringer Ministerpräsident


Vorrunden & Halbfinale

In vier Vorrunden und den Halbfinals wurden folgende Themen debattiert:

VR 1

Factsheet: In manchen professionellen Sportligen, wie z. B. der NBA, gibt es Mechanismen zur Förderung der sportlichen Ausgeglichenheit zwischen Teams. Dazu zählen etwa Gehaltsobergrenzen oder ähnliche Team-Payroll-Beschränkungen sowie Draft-Systeme, in denen sportlich schwächere Teams bevorzugten Zugriff auf neue Spieler erhalten.

Dieses Haus glaubt, dass derartige Ausgleichsmechanismen in professionellen Sportligen mehr schaden als nützen.

VR 2

Factsheet: Der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland ist im Medienstaatsvertrag (MStV) geregelt, der seit November 2020 gilt. § 26 MStV definiert den Auftrag als umfassend: ARD, ZDF und Deutschlandradio sollen durch Angebote in den Bereichen Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung zur demokratischen, sozialen und kulturellen Teilhabe beitragen. Unterhaltung ist damit explizit Teil des gesetzlichen Auftrags und gleichrangig mit den anderen Bereichen.

Dieses Haus glaubt, dass öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten keinen Unterhaltungsauftrag mehr haben sollten.

VR 3

Factsheet: Internationale Finanzinstitutionen wie der IWF und die Weltbank knüpfen einige ihrer Kreditprogramme an bestimmte mittel- und langfristige politische und wirtschaftliche Auflagen bei den Kreditnehmerländern. Hierzu gehören beispielsweise Maßnahmen zur internationalen Öffnung und Deregulierung des Marktes im Nehmerland, die Reduzierung des staatlichen Budgetdefizits, monetäre Schritte oder politische Strukturreformen und Anti-Korruptionsmaßnahmen.

Dieses Haus glaubt, dass internationale Finanzinstitutionen (z. B. IWF und Weltbank) auf politische und wirtschaftliche Auflagen bei der Vergabe von Finanzhilfen verzichten sollten.

VR 4

Factsheet: Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg und der Novemberrevolution 1918 war das Deutsche Kaiserreich zusammengebrochen. Am 9. November 1918 wurde die Republik ausgerufen und anschließend eine provisorische Regierung aus Mitgliedern der SPD und der von ihr abgespaltenen USPD gebildet. Parallel dazu existierten revolutionäre Arbeiter- und Soldatenräte sowie große Teile der bisherigen staatlichen Strukturen zunächst weiter. Bei der Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 wurde die SPD mit Abstand stärkste Kraft. Zusammen mit der katholisch-konservativen Zentrumspartei oder der linksliberalen DDP verfügte sie über eine parlamentarische Mehrheit und zusammen mit beiden über eine Zweidrittelmehrheit. Die Nationalversammlung sollte eine neue Verfassung ausarbeiten und die künftige staatliche Ordnung festlegen. Links von der SPD standen USPD und Spartakusbewegung, die weitergehende revolutionäre Veränderungen forderten. Die USPD war mit einer kleinen Fraktion in der Nationalversammlung vertreten. Gleichzeitig blieben die alten militärischen, bürokratischen und wirtschaftlichen Eliten sowie konservative und monarchistische Kräfte politisch und gesellschaftlich einflussreich.

Es ist 20. Januar 1919. Dieses Haus, als die SPD, würde keine politische Zusammenarbeit mit den alten militärischen, bürokratischen und wirtschaftlichen Eliten des Kaiserreichs eingehen.

Halbfinale

Factsheet: Seit dem Militärputsch vom Februar 2021 befindet sich Myanmar in einem anhaltenden Bürgerkrieg. Die von der Militärjunta (Tatmadaw) gestürzte demokratisch gewählte Regierung hat im Exil die Nationale Einheitsregierung (NUG) gebildet, die von einem Großteil der internationalen Gemeinschaft nicht offiziell anerkannt wird. Der NUG nahestehende Volksverteidigungskräfte (PDF) sowie ethnische Widerstandsorganisationen (EROs) kämpfen gegen die Junta; die Tatmadaw geht mit Luftangriffen, Massaker und systematischen Menschenrechtsverletzungen gegen die Zivilbevölkerung vor. Westliche Staaten und die EU haben Sanktionen gegen die Junta verhängt, leisten aber bislang keine offene militärische Unterstützung für Widerstandsgruppen. Darüber hinaus unterstützt die EU vom Bürgerkrieg Betroffene in Myanmar und Bangladesh mit 35–65 Mill. Euro im Jahr an humanitärer Hilfe.

DHG, europäische Staaten sollten die nationale Einheitsregierung Myanmars und die ihr nahestehenden Widerstandskräfte offen mit Finanzmitteln, Waffen und militärischer Ausbildung unterstützen.

Fotos

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Finale

Das Finale fand am 12. April von 14–16.30 Uhr in der Aula des Universitätshauptgebäudes zum Thema „Dieses Haus glaubt, dass das Streben nach Wissen nicht als intrinsisch wertvoll betrachtet werden sollte" statt. Qualifiziert hatten sich zwei Teams aus Berlin, eines aus Potsdam und eines aus Würzburg. Letztlich setzte sich Würzburg durch. Eine Ehrenjury, bestehend aus Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche, Universitätsvizepräsidentin Prof. Bärbel Kracke und der Thüringer Staatssekretärin und Alumna der Debattiergesellschaft Jena Tina Rudolph, kürte Sven Bake zum besten Finalredner. Wir gratulieren den Siegern sehr herzlich und bedanken uns bei der Ehrenjury für Ihre Teilnahme.

Fotos

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Vielen Dank an unsere Fotografin Laura Wesselbaum!


Wir bedanken uns herzlich bei unseren Förderern:

Förderer der Campus-Debatten-Serie

Volkswagen Stiftung

Deutsche Debattiergesellschaft

Lokale Förderer der Ostdeutschen Debattiermeisterschaft

Ernst Abbe Stiftung

StuRa EAH Jena

StuRa FSU Jena

Stadt Jena

Thüringer Finanzministerium